LVZ Heiterblick #7: Was man in Kriegszeiten tun kann (10 Dinge)

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Guten Abend, Leipzig!

Vielleicht geht es Euch ähnlich: Die Nachrichten von Putins Krieg in der Ukraine haben die Menschen in meinem Umfeld auf ganz unterschiedliche Weise mitgenommen. Viele fühlen sich hilflos, gelähmt, auch ängstlich. Andere sind voller Tatendrang und wollen unbedingt etwas tun. Bei manchen kommt alles zusammen.
Und natürlich müssen wir bei diesem Krieg nicht tatenlos zusehen. Für diese Heiterblick-Ausgabe habe ich zehn Ideen zusammengetragen, was man jetzt von Leipzig aus tun kann:
  1. Spenden. Geld oder brauchbare Dinge können bei Menschen aus der Ukraine viel ausrichten, ob noch vor Ort, auf der Flucht oder hier angekommen. Sie helfen auch den Spendenden selbst, weil sie das Gefühl bekommen, etwas getan zu haben. Der einfachste Weg, Geld zu spenden, ist die Crowdfunding-Plattform der Leipziger Gruppe. Sachspenden kann man im Leipziger Süden vorbeibringen: An den Tierkliniken 42, täglich von 7 bis 17 Uhr (Halle S 3 / Südhalle). Benötigt werden vor allem Dinge wie Schlafsäcke, Powerbanks, Medikamente. Am besten nachfragen. Explizit nicht: Kleidung. Einen Überblick über viele weitere Aktionen gibt unser LVZ-Blog “Leipzig hilft”.
  2. Hinfahren. Wer sich auf langen Fahrten wohl fühlt, Zeit und ein großes Auto hat, könnte auf die Idee kommen, selbst an die ukrainische Grenze zu fahren. Ich war kürzlich dort. Und das ist gar keine schlechte Idee. Zum einen, um Spenden vorbeizubringen (siehe 1.). Oder auch, um Menschen abzuholen, die eine Mitfahrgelegenheit nach Deutschland brauchen (siehe 3.). Eine gute Anlaufstelle ist das Flüchtlingslager „Korczowa Dolina“, ein stillgelegtes Einkaufszentrum an der polnischen Grenze, wo zur Zeit Tausende ausharren. Das Lager ist gut organisiert, am Eingang gibt es einen Infodesk, über den man eine Rückfahrt nach Deutschland anbieten kann. Für eine Unterkunft am Zielort sollte aber gesorgt sein.
  3. Aufnehmen. Ich habe in diesen Tagen von WGs gehört, die Geflüchtete aus der Ukraine bei sich aufnehmen wollen. Eine starke Idee. Aber man sollte sich das gut überlegen – und im besten Fall mit einer Organisation zusammenarbeiten, die das Zimmer an Bedürftige vermittelt und alle nötigen Fragen klärt, zum Beispiel Zusammenleben Willkommen oder Unterkunft Ukraine oder Bürgerbeteiligung Sachsen.
  4. Informieren. Ich bin fest davon überzeugt: Wenn ein Diktator eine Demokratie angreift, ist es wichtig zu verstehen, was passiert und warum es passiert. Mir persönlich hilft es sehr, informiert zu bleiben. Neben üblichen Quellen wie der Lokalzeitung oder dem Tagesschau-Ticker mag ich zur Zeit sehr den Telegram-Channel von The Kyiv Independent. Wer auf Twitter unterwegs ist, kann der von CNN-Reporter Daniel Dale kuratierten Ukraine-Liste folgen. Auch die Netflix-Serie “Winter On Fire: Ukraine’s Fight for Freedom” erzählt stark von den Maidan-Protesten und damit den Hintergründen des Krieges.
  5. Nicht informieren. Genauso wichtig wie dauernd up-to-date zu sein, ist es meiner Meinung nach, gezielt abzuschalten. Also das Gegenteil vom “Doom-Scrolling”, bei dem man immer tiefer in den Sog negativer Nachrichten scrollt. Vielleicht wurde kein Konflikt zuvor so bildreich dokumentiert wie der jetzige. Wie man mit bedrückenden Nachrichten umgehen kann, hat die Psychologin Christina Berndt kürzlich mit Leserinnen und Lesern der Süddeutschen Zeitung diskutiert.
  6. Klappe halten. Ich finde: In Zeiten der Krise gehört die kommunikative Sphäre den Expertinnen und Experten. Denen, die Ahnung haben. Laut vorgetragenes Halbwissen, Hot Takes oder nachdenkliches Blabla hilft niemandem. Auf Twitter oder Instagram bekommt derzeitig aber das Gefühl, es gäbe eine Art Wettbewerb, wer am besten informiert oder wer am meisten betroffen ist. In Wahrheit verstopfen uninformierte Tweets und performativer Aktivismus aber nur die Netzwerke und machen es schwerer, die wirklich wichtigen Stimmen wahrzunehmen.
  7. Weitersagen. Das bedeutet natürlich nicht, dass es nicht auch wichtig bleibt, gute und interessante Nachrichten und Storys weiterzutragen – und Fake News entschieden entgegenzutreten. Insbesondere, weil Putins Propagandakrieg natürlich längst bis zu uns reicht. Dagegen können wir uns engagieren, indem wir widersprechen.
  8. Kontaktieren. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sind in diesen Tagen enorm beschäftigt, weil sie sich um ihr Land und ihre Landsleute kümmern, auch hier in Leipzig. Aber oft sind sie auch einsam. Wer mit Menschen aus der Ukraine (oder mit ukrainischen Wurzeln) befreundet ist, kann sich bei ihnen melden. Oder Blumen vorbeibringen.
  9. Demonstrieren. Was in Russland verboten ist, kann man hier tun: Gegen den Krieg demonstrieren. Auf unserem “Leipzig hilft”-Blog werden wir die kommenden Aktionen bekanntgeben.
  10. Hoffnungsvoll bleiben. Das lohnt sich immer.
Alexander und Christian, die von Leipzig an die ukrainische Grenze fuhren.
Alexander und Christian, die von Leipzig an die ukrainische Grenze fuhren.
Wo trifft Leipzig sich gerade?

Pekar mit Bauzaun – und doch idyllisch.
Pekar mit Bauzaun – und doch idyllisch.
Sieht diese Pizzeria einladend aus? In Wahrheit ist es ja schon immer schön, im oder vor dem Pekar zu essen. Zur Zeit ist es aber besonders toll, denn: Die Odermannstraße ist gerade für Autos gesperrt. Man denke sich erste Frühlings-Sonnenstrahlen hinzu, hellblauen Himmel, dann vielleicht den Cavolo Nero (italienischer Schwarzkohl) als Vorspeise. Die beste Pizza ist wahrscheinlich die Coppa mit eingelegtem Fenchel. Im Sommer gibt’s Margherita mit frischen Tomaten aus der Gärtnerei “Annalinde” in der Lützner Straße – gezogen vom Pekar-Pizzabäcker höchstpersönlich.
Das Pekar in der Odermannstraße 11 in Leipzig-Lindenau hat täglich von 12 bis 22 Uhr geöffnet. Sonntags gibt es nur Pizza.
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Wortmeldungen: Leipzig, Sachsen, der Osten

“Eigentlich müsste man das übermorgen gleich noch mal machen.”
Sagte mir der Leipziger Christian Herrmann (mit dem ich an der ukrainischen Grenze war, um von dort eine Familie nach Leipzig zu holen), als wir gegen früh um 6 völlig übermüdet wieder nach Leipzig reinfuhren. Hier geht es zum kurzen Video unserer Fahrt.
“Vielleicht dachte sie, ich sei eine russische Spionin.”
Sagte mir Alina Artamina, die Leipzigerin, die in Kiew festsitzt, während sie bei einem Spaziergang durch ihre Stadt mit mir skypte (hier geht es zum Instagram Video) – und sie eine andere Kiewerin böse von der Seite anzischte, da sie offensichtlich eine andere Sprache sprach.
Illia Ponomarenko 🇺🇦
I’m afraid Antonov An-225 Mriya is irreparable.
The king of the skies is dead.
Thank you for your service. https://t.co/mL1f4HmoTK
History Daily
An M4 tank of burning at the intersection of Karl Heine St and Zschochersche St in Leipzig, Germany, after being hit by a Panzerfaust. (1945) https://t.co/5CObWBi4Tr
Zuletzt hat mich interessiert

Der MDR hat eine kleine Dokuserie produziert namens “They call us Ausländerteam”, in der sie eine kleine Fußballmannschaft aus Sachsen-Anhalt begleiten, in der vor allem Geflüchtete spielen. Eine Amateurmannschaft mit Spielern aus zwölf verschiedenen Nationen. Sehr fein und berührend erzählt.
Wordle kennen wir schon alle, aber was ist mit Worldle? Das zusätzliche L ist kein Fehler: Es geht bei Worldle darum, Länder anhand ihres Umrisses zu erkennen. Wie bei Wordle gibt es nur jeden Tag ein neues Rätsel – und man hat fünf Versuche. Nach jedem erscheint ein Pfeil, in welcher Richtung das gesuchte Land liegt, inklusive Kilometerangabe. Jetzt wird es zu kompliziert – ausprobieren.
Elon Musk hat einen Satz von seinen Satellitenschüsseln an die Ukraine gespendet, damit es dort wieder schnelles Internet gibt. Wer sich solche Spenden leisten kann (siehe ganz oben, 1.), ist reich, sehr reich. Wie reich? Es gibt jetzt ein Tool, mit dem kann man ein klein wenig ein Gefühl dafür bekommen. “Spend Elon Musk’s Fortune!” heißt es, aber seht selbst.
Bonus: Bei der LVZ haben wir einen neuen Podcast – “Unsere Story” heißt er – und dort erzählen unsere Reporterinnen und Reporter aus ihren Recherchen. Bei der aktuellen Episode war ich auch dabei und habe von meiner Reise zur ukrainischen Grenze berichtet.
Vielen Dank fürs Lesen und bis in zwei Wochen,
Dein Josa
Was ist Heiterblick?

Eigentlich ein Leipziger Stadtteil, da oben im Nordosten. Dieser Newsletter handelt nicht von dem Stadtteil, er ist ein Leipzig-Newsletter. Aber ich möchte den Namen des Stadtteils neu beleben, daher borge ich ihn mir. Natürlich nicht, ohne vorher einmal nach Heiterblick gefahren zu sein – und seinen idyllischen Müllberg erklommen zu haben.
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