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LVZ Heiterblick #3: Die Pandemie ist vorbei!

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Guten Abend, Leipzig!

Wann ist die Pandemie vorbei? Das fragen wir uns seit sie begonnen hat. Nicht, weil wir kein Durchhaltevermögen hätten. Sondern einfach, weil es niemand wirklich weiß. Eigentlich bis heute nicht.
Es gab eine Zeit, da dachten wir: Die Pandemie ist vorbei, sobald es einen Impfstoff gibt. Inzwischen wissen wir, dass sich auch Geimpfte infizieren. Dass sich nicht jeder impfen lässt. Dass das Virus mutiert.
Virologinnen und Virologen sagen schon länger, dass Corona nie mehr verschwinden wird. Was, wenn es so ist?
Dann würde es dabei bleiben: Im Sommer, wenn alle draußen sind, vergessen wir Corona für eine Weile. Und im Winter führen wir ein anderes Leben. Luftfilter, einchecken, regelmäßige Tests und Impfungen werden normal. Und natürlich das Maske tragen.
“Für mich ist die Pandemie vorbei, wenn man keine Maske mehr tragen muss”, sagte eine Freundin. Aber was, wenn die Masken nie mehr verschwinden?
Vielleicht ist die Pandemie dann vorbei, wenn wir den Ausnahmezustand zur Normalität erklären. So haben wir das auch bei anderen Krisen gemacht. Der Klimawandel, eine ungeheure Bedrohung. Aber ein Ausnahmezustand? Bekommen wir täglich Push-Meldungen über die aktuelle Co2-Inzidenz? Lassen wir uns von Klimaforschern vorrechnen, wie viele Menschen an oder mit den Folgen des Klimawandels sterben? Vermutlich wäre das kaum auszuhalten.
Bald haben wir seit zwei Jahren Pandemie. Zwei Jahre, das ist kein Ausnahmezustand mehr. Natürlich ist die Pandemie nicht vorbei. Aber wir müssen aufhören, auf ihr Ende zu warten. Und anfangen, wieder über andere Dinge nachzudenken. Uns über andere Dinge freuen.
Das ist mir letzte Woche klar geworden, als der Leipziger Himmel in unfassbare Farbtöne getaucht war. Knallorange, ultraviolett. Eine Freundin sagte zu mir, das liege ja nur am Leipziger Smog. Jeder Staubpartikel, der durch die Luft wirbelt, reflektiert Sonnenlicht und lässt den Himmel rötlich werden. Ich dachte: Wie gut, dass ich nicht dauernd daran denken muss.
Wo trifft Leipzig sich gerade?

Foto: Lax und Suelze
Foto: Lax und Suelze
Hier war einmal eine sehr gute Kneipe. Orangene Plastikstühle, verraucht ohne Ende. Pfeffi für einen Euro. Sehr, sehr altes Leipzig. Irgendwann nach Mitternacht schob man die Stühle an die Wände und es wurde getanzt. Meistens schloss irgendjemand seinen MP3-Player an. Benannt war die Kneipe nach dem Mann, dessen Name an der Fassade stand: Reinhard Tempel. Niemand wusste, wer das war.
Dann hieß es, hier käme jetzt ein Hotel rein. Wir tobten. Und die Tempel-Wirte zogen die Straße runter, in ein Eckhaus. Dort ist jetzt heute ein Co-Working-Space, die Wirte sind noch weiter runter gezogen. Also der Blick zurück: Was ist heute im alten Tempel los? Tatsächlich, ein Hotel mit Café, seit November. Der Tempel-Schriftzug wurde rausgeputzt und vergoldet. Die Fenster sind mit hervorstehenden Metallrahmen veredelt. Erstes Eindruck: Das hier könnte auch in Berlin-Mitte sein.
Drinnen ist es aber viel gemütlicher als in Berlin. Im Hinterhof ist manchmal Flohmarkt, in den oberen Stockwerken kann man übernachten. Rührei gibt es für 5 Euro, Schokokuchen für 2,50 Euro. Nur Sülze habe ich keine auf der Karte entdeckt.
Lax & Suelze. Könneritzstraße 88, geöffnet Mittwoch bis Sonnabend von 10 bis 22 Uhr, sonntags bis 19 Uhr. Apartments ab 80 €/Nacht via Airbnb.
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Wortmeldungen: Leipzig, Sachsen, der Osten

„Die Spatzen merken, dass sie beobachtet werden. Wenn man guckt, sind sie weg.“
Reinhard Rudolf, 56, Rentner aus Leipzig-Möckern und passionierter Vogelbeobachter für den Naturschutzbund.
“Es geht wohl inzwischen darum, den Leuten die Bratwurst schmackhaft zu machen.”
Meine Kollegin Janina Fleischer über eine Leipziger Teststation, die für jeden negativen Test einen Gutschein für den Bratwurstgrill nebenan ausstellt.
André Herrmann
Isolation Tag 5:
Mutter und ich haben ein neues Ritual entwickelt.
Jeden Morgen fragt sie, wie es mir geht, ich sage, keine Symptome, aber ein bisschen langweilig, woraufhin sie mir erklärt, ich solle froh sein, denn ich könnte auch tot sein.

And I think it’s beautiful.
Zuletzt hat mich interessiert

Der Leipziger Historiker Gregor Müller kann zufällig auch programmieren und hat ein kleines Spiel entwickelt, das von einem Kriminalfall im Leipzig des 19. Jahrhunderts handelt. Das sehr schlichte Spiel gibt es noch nichts, aber dafür einen Trailer, der aussieht, als könnte sehr viel Liebe in dem Projekt stecken. Wann gab es das schonmal, ein Computerspiel mit Handlung in Leipzig?
Irgendwann kommt der Tag, da wache ich auf und brauche irgendwas aus Sachsen. Vielleicht, weil ich auf einen Geburtstag in Nordrhein-Westfalen fahre. Dann werde ich den neuen Online-Shop von “So geht sächsisch” aufrufen, der manchmal etwas wunderlichen PR-Kampagne des Freistaates Sachsen. Dort gibt es seit dieser Woche 2.400 neue Produkte, Seifen, Kaffee, Porzellan, Uhren, alles made in Saxony.
“Laufen gehen” ist nicht nur eine herrlich seltsame Wortkombination. Es ist auch, womit viele Leipzigerinnen und Leipziger weiterhin ihr Sportpensum erfüllen. Denn trotz neuer Schutzverordnung bleiben Sachsens Fitnessstudios weiter zu. Wer sich im laufen gehen einmal mit anderen messen will, kann sich jetzt für den Leipziger Marathon im April anmelden. Man kann auch Halbmarathon oder deutlich kürzere Strecken laufen. Bis zum 23. Januar ist die Anmeldegebühr noch vergünstigt.
Vielen Dank fürs Lesen und bis in zwei Wochen,
Dein Josa
Was machen Sie da?

Foto: privat
Foto: privat
Ich bin gerade nicht in Leipzig und weiß daher auch nicht, was die Menschen dort gerade machen. Dafür ein Rätsel: Die Wörtchen “mach’ nix” lassen sich aus dem Ort kombinieren, in dem ich gerade bin. Daraus ergibt sich dann auch der unscheinbare Berg hinter mir. Ohne zu googeln: Weiß es jemand?
Was ist Heiterblick?

Eigentlich ein Leipziger Stadtteil, da oben im Nordosten. Dieser Newsletter handelt nicht von dem Stadtteil, er ist ein Leipzig-Newsletter. Aber ich möchte den Namen des Stadtteils neu beleben, daher borge ich ihn mir. Natürlich nicht, ohne vorher einmal nach Heiterblick gefahren zu sein – und seinen idyllischen Müllberg erklommen zu haben.
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